Schöne er und sie Bilder:
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche

Bild von 02ide
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flor;
Aber die Sonne duldet kein Weißes:
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlt’s im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurückzusehen.
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sich nur, sich! wie behänd sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluss, in Breit’ und Länge,
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und bis zum Sinken überladen
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein.
Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!
Der Sekretär

Bild von saylor70
Der Sekretär sucht hier nach Würmern. Dazu stammpft er auf den Boden und reizst die Würmer bis die rauskommen und er sie fressen kann
Masai Mara, Kenya, Afrika, September 2010
Lady Luna

Bild von h.koppdelaney
Lady Luna
Woman in Red
HKD
Er hat eine Katze
Luna hatte ihren Hund dabei, eine Mischung aus kleinem Pudel und Schnauzer, auf jeden Fall keine reinrassige Hündin. Sie hatte eine Zeitung auf dem Nachbarsitz ausgebreitet und mich gefragt, ob ich Einwände hätte, wenn sie Susi neben sich setzen würde. Es störe mich nicht, sagte ich und las in meinem Manuskript weiter. Susi allerdings gab in immer kürzer werdenden Abständen hell wimmernde Töne von sich, so, als bettele sie um etwas. Und in der Tat bekam sie schließlich das, was Frauchen als Lekkerli bezeichnete. Dieses wiederum machte knackende Geräusche beim Verspeisen und es folgte ein sabberndes Schlecken und Schlabbern mit der tropfenden Zunge. Die Zeitung begann langsam durchzunässen.
Der kleine Liebling sei so unersättlich, aber ich solle mir keine Gedanken machen, die Lekkerli seien kalorienreduziert, weswegen Susi, so vermutete ich, immer mehr und mehr haben wollte, denn die Dinger machten offensichtlich nicht satt. Dennoch legte Luna mit der Nachfütterung eine fünf minütige Pause ein, in der Susi allerdings die Frequenz ihrer Töne variierte von piepsig weinerlich bis ganz jämmerlich, sodass ich nahe daran war, Luna zu bitten, nicht so hartherzig zu sein, genauer: der Hund ging mir auf die Nerven.
Luna selbst hatte eine Püppchengröße und Püppchenfigur und hatte sich als „Tänzerin in einem Musical“ bei mir vorgestellt. Sie sage das, um Fragen vorzubeugen. Dank Film und Fernsehen hätten Tänzer den Flair des Exotischen und Exzentrischen und daher Freiräume, die man sonst nicht habe.
Sie verehre Liza Minellli, gestand sie mir ein, nachdem wir ins Gespräch gekommen waren. Tatsächlich hatte Susi den Anlass dazu gegeben, denn sie sprang zwischendurch einmal vom Sitz auf den Boden, um meine Hose als Serviette zu benutzen.
Luna entschuldigte sich vielmals und bot sich an, die Reinigung zu bezahlen, doch mit einem Papiertaschentuch war der Schaden schnell behoben. Jetzt allerdings schlug mir Susis feuchtes Bellen entgegen und Luna lachte ein lautes, „Entschuldigen Sie“ als ich meine Hand schützend vor mein Gesicht hielt.
Susi nahm sich auf Lunas energische Intervention hin sofort zurück und kuschte raschelnd auf ihrer Zeitung.
„Ich muss immer erst drohen“, sagte Luna und erzählte ein paar Anekdoten, die sie mit Susi auf ihren Fahrten mit dem Zug schon erlebt hatte.
Sie war ein wenig eingenickt, als Susi den Kopf in ihren Schoß legte.
„Sie können sich das Resultat vorstellen“, sagte sie. „Nicht nur der zugestiegene Fahrgast blickte irritiert, auch als ich den Zug verlassen hatte und auf dem Bahnsteig ging, machten zwei junge Männer anzügliche Bemerkungen.“
Da habe sie sich zu ihnen umgedreht und gesagt: „Jungs, dafür müsst ihr ein halbes Jahr arbeiten!“
Die Männer hätten dann gepfiffen und Susi laut gebellt, und es sei ein Bahnbeamter an sie herangetreten, der gefragt habe, ob alles in Ordnung sei.
„Offensichtlich haben große Männer immer das Gefühl, sie müssten mich beschützen und darum habe ich mich bei ihm bedankt, aber gesagt, ich könne schon gut auf mich selbst aufpassen. Schließlich ist Durchsetzungskraft keine Frage der Körpergröße.“
Dann erzählte sie mir, dass sie allein mit Susi lebe, aber nicht einsam sei. Auch nicht auf ihren abendlichen Spaziergängen, erst gestern noch, bei Vollmond. Ein Mann habe sie angesprochen, intelligent, nicht mit dem Standartspruch:
„Ich bin mondsüchtig, hat er gesagt und er wolle der Mann im Mond werden. Da habe ich ihm gesagt, dass ich Luna heiße und er hat gelacht. Für morgen Abend sind wir übrigens verabredet. Allerdings hat er eine Katze.“
HKD
Digital art based on own photography and textures
HKD